Sie: Alleine Reisen hat seine Vorteile: Ich kann meinem Lebensrhythmus folgen, steh auf, wenn ich wach bin, gehe schwimmen, wann immer ich Lust habe oder erkunde die Umgebung und esse, wenn ich hungrig bin. Auch die Stille ist schön. Kein Smalltalk, kein wann, wie lange und wieso erklären, keine Treffpunkte und sehr viel Zeit. Neben dem Sporttreiben widme ich mich dem Lesen und fuehre mein lange vergessenes Reisetagebuch weiter. Man möge denken, dass man auf einer Weltreise unendlich viel Zeit hat, aber im ganzen Reisealltag, der mehrheitlich aus organisieren, planen und vorwärts kommen besteht, kommen die nichtigen Dinge wie lesen und schreiben oftmals viel zu kurz.
Waehrend man als Paar eher auf einander fixiert ist, kommt man als unabhängig reisende Person schnell mit anderen Alleingängern in Kontakt. So lerne ich nach meiner Phase des Alleinseins zwei Deutsche (wie könnte es anders sein) kennen, mit denen ich Surfversuche und Dorfrundgänge unternehme. Doch gerade in der Gegenwart anderer Personen merke ich, wie sehr ich mich verändert habe. Es ist gar nicht einfach, die Erlebnisse, die wir gemeinsam durchlebt haben, jemandem bildhaft zu beschreiben. Nun reicht nicht mehr ein Blickkontakt, um über etwas zu schmunzeln oder eine Erinnerung zu wecken. Gewisse Dinge kann man nicht oder kaum mit Aussenstehenden teilen. So kommt manchmal inmitten einer lebhaften Tischrunde das Gefühl der Einsamkeit hoch und weitere gemeinsame Reiseerinnerungen werden wach.
Er: Ich versuche dem japanischen Eherpaar um die 60 zu erklaeren, weshalb mein Zelt (fuer eine Person) ungefaehr dreimal so gross ist wie ihres (fuer zwei Personen): „Zu Beginn reiste ich mit meiner Partnerin.“ – „Wir waehlten ein grosses Zelt wegen dem vielen Gepaeck und weil wir lange unterwegs sind.“ - „Nein, wir haben uns nicht getrennt.“ Sie scheinen etwas neidisch zu sein. Verstaendlich. Und als ich ihnen spasseshalber nachrufe, dass ich jeweils am Abend in meinem viel zu grossen Zelt Fussball spiele und sie zum Training einlade, scheinen sie auch noch verwirrt zu sein.
Aber an Hand dieses Beispiels laesst sich meine Situation wohl am bildhaftesten erklaeren. Waehrend ich tagsueber das ‚alleine‘ reisen geniesse, da ich eigenhaendig ueber Tempo, Rhythmus, Pausen, Menuwahl und Destination entscheiden kann, holt mich nach Ankunft auf dem Zeltplatz manchmal ein Gefuehl der Einsamkeit ein. Ich bin zwar selten wirklich allein. Je nach Ort und Camping treffe ich entweder vermehrt auf Kiwis oder aber auf Touristen aus dem Ausland, meistens Deutsche (wie koennte es anders sein). Und manchmal ergeben sich herzliche, wenn auch kurze Begegnungen mit anderen Reisenden. Doch oft bin ich einziger Alleinreisender und unterscheide mich auch in meiner Reiseform deutlich von anderen Reisenden. Meine Erlebnisse stossen zwar auf Interesse. Aber verstehen und nachvollziehen, wie ich reise, koennen die wenigstens.
Und spaetestens, wenn ich in meinem viel zu grossen Zelt liege, ueberkommt misch so etwas wie Einsamkeit.






