Nun, da wir für zwei Monate per Minibus unterwegs sind, erwarteten wir nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit, wie sie uns als Radnomaden entgegen gebracht wurde. So war die Überraschung gross und die Freude riesig, als uns am zweiten Abend Eric nach einer kurzen Unterhaltung zu sich und seiner Familie einlud. Einmal mehr wurden wir von fremden Menschen kulinarisch verwöhnt und mit viel Gastfreundschaft überschüttet. Wie sich im Verlaufe des Abends herausstellte, hatten wir die Einladung auch unserer Nationalität zu verdanken. Offenbar hatte ein ebenfalls reisendes Schweizer Paar vor einigen Jahren bei Eric und Marianne einen solch grossartigen Eindruck hinterlassen, dass wir nun davon profitieren durften.
Überhaupt – profitiert haben wir auf unserer Reise oft von anderen. Nun ergab sich endlich die eine oder andere Gelegenheit, etwas von dieser Herzlichkeit weiterzugeben. Zwar sind wir auch auf diesem Abschnitt der Reise mit schmalem Budget unterwegs und kennen sämtliche Billiglinien in den hiesigen Supermärkten auswendig. Aber wir sind nun – Minibus sei Dank - im Besitz von zwei Dingen, die wir als Luxus bezeichnen können: Platz für viel Essensvorrat und die Möglichkeit, in kurzer Zeit grosse Distanzen zu bewältigen. Davon wiederum konnten Sam und Lee profitieren. Wir trafen die beiden Australier in den ‚Nullarbor Plains’, auf der längsten geraden Strasse in Australien (146,5 Kilometer). Während wir mit knapp 100 Kilometern pro Stunde unterwegs waren, schaffen die beiden etwa 40 Kilometer – pro Tag. Zu Fuss sind die beiden Brüder unterwegs, um ihr Heimatland von Westen nach Osten zu durchqueren und ziehen dabei je einen 50 Kilogramm schweren Anhänger hinter sich her, um in dieser unbewohnten Gegend genügend Essen und Wasser zu haben. Ob so viel Verrücktheit konnten wir nur den Hut ziehen und ihnen einen Teil von unserem Essen und Wasser anbieten. Schliesslich konnten wir ihnen mit zwei Pack Teigwaren behilflich sein. Die Begeisterung und Dankbarkeit, die uns darauf hin entgegenbrandete, kam aus tiefstem Herzen. Was uns aus unserer Perspektive als wenig erschien (wir hatten genügend Vorrat und die Möglichkeit, zwei Tage später wieder einkaufen zu gehen), war für Sam und Lee in jenem Moment von unschätzbarem Wert.
Diese kurze Begegnung erinnerte uns an die dreizehn Monate, die wir bis anhin per Rad unterwegs waren. Immer wieder waren es Begegnungen, wie wir sie nun aus der anderen Perspektive erleben durften, die aus einem schönen Tag einen besonderen Tag werden liessen. Doch nicht nur für die beiden ‚Aussies’ war diese Begegnung von grossem Wert. Auch für uns war dieses Treffen ein Highlight, weil wir für einmal fremden Menschen unerwartet eine Freude bereiten konnten und dabei mit grosser Dankbarkeit belohnt wurden. Wir denken oft an dieses zufällige Treffen zurück. Die Begegnung wirkte inspirierend und zeigte, wie wenig es manchmal braucht, um zufrieden zu sein.






